Durch einen Artikel auf welt.de wurde ich kürzlich darauf aufmerksam, dass die NSDAP-Mitgliedskartei jetzt für jedermann online und kostenfrei auf den Seiten des US-amerikanischen Nationalarchives zu durchsuchen ist. Zuvor musste man schriftlich einen Auskunftsantrag beim deutschen Bundesarchiv stellen, um eine Auskunft, ob jemand aus der Familie Mitglied der NSDAP war, zu bekommen.
„Mit der jetzt erfolgten vollständigen Veröffentlichung der gescannten Filme im Internet durch die National Archives ist derlei künftig nicht mehr nötig. Insgesamt handelt es sich um mehr als 16 Millionen einzelne Informationen…“. Der wichtigste Bestandteil sind Millionen von einzelnen Karteikarten, die nach Familiennamen und Vornamen sortiert sind. Spektakulär sind die Angaben auf der Karteikarte nicht. Geburtsdatum und Geburtsort werden genannt, ebenso der Beruf, das Datum der Antragstellung und die NSDAP-Mitgliedsnummer. Angegeben ist auch, bei welcher Ortsgruppe das Mitglied registriert war. Manchmal finden sich Hinweise auf Wohnortwechsel. Selten sind Passfotos vorhanden. Wie die kostenfreie Suche ohne Anmeldung funktioniert, wird hier gut beschrieben. Allerdings ist die Nachfrage im Moment groß und die Server häufig überlastet.
Bisher war bekannt, dass mein Urgroßvater Walter Mann Mitglied der NSDAP war. Ich habe nach weiteren Familienmitgliedern gesucht und bin im engeren Familienumfeld bisher erfreulicherweise nicht fündig geworden. Zwei Brüder und einen Neffen meines Urgroßvaters Hermann Seyer habe ich allerdings in der Datenbank gefunden. Otto Seyer beantragte seine Aufnahme am 12. Februar 1940, sein Sohn Heinrich gut drei Jahre früher. Fritz Seyer stellte seinen Antrag auf Parteimitgliedschaft am 14. Juni 1937 und wurde sogar rückwirkend zum 1. Mai in die Partei aufgenommen. Alle drei haben hohe Mitgliedsnummern. Historiker sind sich einig, dass Aufnahmeanträge vor 1933 auf einen überzeugten Nationalsozialisten hindeuten. Deutlich spätere Aufnahmen können auch auf Grund von Druck oder Opportunismus erfolgt sein. Was jeden einzelnen Menschen zum Parteieintritt bewogen hat, weiß jedoch nur der- oder diejenige selbst.
Das Veröffentlichen der Mitgliederkartei bietet uns Familienforschern die Gelegenheit, relativ unkompliziert, möglicherweise neue Puzzleteilchen aus dem Leben unserer Vorfahren zu finden.
Bild: Karteikarte von Heinrich Seyer, Screenshot; Zitat aus dem Artikel auf welt.de