Nach dem Krieg

Lehrausbilder, Trainer und Organisationstalent

Passierschein für die Demontage der Sendetürme 1945, Quelle: Familienarchiv

Paul Dinter hatte das große Glück, den Krieg ohne bleibende Beeinträchtigungen überstanden zu haben. Auf seinem Weg nach Hause wurde er zwar öfter von russischen Soldaten kontrolliert, entging aber einer Kriegsgefangenschaft, so dass er Ende Mai 1945 wieder zu Hause in Zeesen war.
Im Sommer 1945 wurde er von der russischen Armee-Verwaltung, Kommando Zeesen, zur Demontage der Funksendertürme in Zeesen herangezogen. Dort war er bis zum Dezember 1945 beschäftigt.
 
 
 
Vom Dezember des Jahres 1945 bis zum 31. August 1950 arbeitete Paul Dinter wieder in seinem alten Lehrbetrieb bei Greichgauer & Steinacker in Königs Wusterhausen als Dreher.
Vom 1. September 1950 bis zum 15. Juni 1951 war er als Dreher in der Lokreparatur-Werkstatt des Lokbahnhofes Mittenwale-Nord beschäftigt.
Seit Mitte Juni 1951 war Paul Dinter als Lehrausbilder für Dreher beim VEB Abus Schwermaschinenbau, später Schwermaschinenbau Heinrich Rau, in Wildau beschäftigt. Im Vorgängerbetrieb war er kurz vor seiner Militärzeit schon dienstverpflichtet gewesen.

Paul Dinter Ende der fünfziger Jahre, Quelle: Familienarchiv

Im Januar 1958 wurden drei Lehrausbilder des Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ ihres Postens enthoben. Einer von ihnen war Paul Dinter. Alle drei hatten sich geweigert, eine Resolution zu unterschreiben, in der die sozialistische Erziehung der Jugend im Betrieb festgeschrieben werden sollte. In der Betriebszeitung Schwungrad steht dazu in der Ausgabe vom 6. Februar 1958: „Unsere Jugend muß zur Parteilichkeit erzogen werden. Dazu muß der Erzieher aber selbst parteilich denken und handeln. Wer von der Richtigkeit und Notwendigkeit des Sozialismus nicht überzeugt ist, wird die ihm gestellten Aufgaben nicht lösen. Wer aber diese Aufgaben nicht löst, kann nicht Erzieher sein. Von dieser Erkenntnis ließen wir uns bei der Umsetzung der Kollegen Paul Dinter, Erich Kriege und Hans Wein (Anm.: Schwager von Paul Dinter) leiten. Sie erklärten vor allen Kollegen, daß sie die sozialistische Erziehung nicht mit ihrem Glauben vereinbaren können. Sie lehnten es ab, die in der letzten Ausgabe unserer Betriebszeitung veröffentlichte Resolution zu unterzeichnen und mit ihrem Aktiv durchzusprechen. Von allen Erziehern verlangen wir die bedingungslose Bejahung unserer Gesellschaftsordnung und den restlosen Einsatz für sie.“

Damit nicht genug. Werner Scharch, Präsident der DDR-Sektion Radsport und hochrangiger Parteifunktionär, sprach Paul Dinter nach seiner Entlassung als Lehrausbilder auch das Recht ab, seine ehrenamtliche Tätigkeit als Radsporttrainer bei der BSG Motor Wildau fortzusetzen. Kurze Zeit später, noch vor dem Mauerbau, setzte sich Scharch in den Westen ab.

Nachdem Dinter seines Postens als Lehrausbilder enthoben worden war, wurde er nicht entlassen, sondern war seit Anfang Februar 1958 als Dreher im Schwermaschinenbau direkt beschäftigt.
Er musste jedoch alle seine Ämter im Radsport niederlegen. Erst 1965 besannen sich die Funktionäre auf die Qualitäten und Verbindungen des einstigen Vorzeigesportlers. Eine Friedensfahrtetappe sollte in Königs Wusterhausen gestartet werden und man holte Dinter und seine Frau in das Organisationskomitee. Danach war es für Paul Dinter auch wieder möglich, als Trainer bei der BSG „Motor Wildau“ anzufangen, sehr zum Missfallen seiner Frau, die die Demütigungen seitens des Betriebes noch nicht verwunden hatte. Weitere Ehrenämter kamen in der Folgezeit hinzu.

Im Dezember 1973 wurde Paul Dinter wieder als Lehrbeauftragter für die Berufsgruppe der „Zerspanungsfacharbeiter“ im Betriebsteil TVB des Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ berufen.
Am 4. September 1987 wurde er von zahlreichen Kollegen seines Betriebsteils feierlich in den verdienten Ruhestand verabschiedet.

Paul Dinter erhielt im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Sport und Gesellschaft. Die Mehrzweckhalle in Königs Wusterhausen trägt seinen Namen.


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