Friedensfahrer

Paul Dinter - Beginn einer Radsportkarriere

Paul Dinter begann erst relativ spät mit dem Radsport. Anfang der zwanziger Jahre zog die Familie von Berlin nach Zeesen. Paul war das jüngste Kind von sieben Geschwistern, da war an ein eigenes Rad lange nicht zu denken. Sein ältester Bruder Heinrich hatte später ein eigenes Fahrrad, aber das war tabu für den Kleinen. Erst als Heinrich zum Militär nach Ostpreußen eingezogen wurde, erbte Paul das Rad.
Ausflüge in die nähere und später auch in die weitere Umgebung gehörten fortan zum Geschehen am Wochenende. Sein Meisterstück machte Paul im Sommer 1939, als er mit drei Freunden auf einer Tour in die Alpen in zwölf Tagen 2100 km zurücklegte und dabei ohne Schaltung am Rad den 1800m hohen Arlbergpass erklomm.

Paul Dinter 2.v.r 1942, Quelle: Familienarchiv
Paul Dinter 2.v.r 1942, Quelle: Familienarchiv

Er verfolgte die Radsportklassiker „Berlin-Cottbus-Berlin“ und „Rund um Berlin“ zunächst als Zuschauer an der Straße, aber die Leidenschaft für den Rennsport war fortan geweckt.

Ein Rennrad war für Paul lange unerschwinglich. Da kam ihm ein Motorradunfall seines Bruders Franz zu Hilfe. Der lag danach im Krankenhaus in Cottbus. Paul besuchte ihn jeden Sonntag – natürlich mit dem Fahrrad. Schließlich konnte er seine Mutter überzeugen, dass es mit einem Rennrad doch etwas schneller gehen würde. Mutter und Vater willigten schließlich ein und schossen das Geld für die erste Rennmaschine vor. Paul musste danach jeden Monat sechs Mark abstottern.

Im Jahr 1940 schloss er sich dem „Radlerclub Mittenwalde 1898“ an. Da war schon Krieg. Die Rennen liefen weiter, allerdings ohne Begleitfahrzeuge. Paul Dinter konnte bald erste Erfolge verbuchen.

Paul Dinter rechts im Bild, Quelle: Familienarchiv
Paul Dinter rechts im Bild, Quelle: Familienarchiv

Brandenburger Jugendmeister war er schon, als er 1942 beim Rennen „Berlin-Cottbus-Berlin“ Zweiter wurde.
Noch bevor er zur Wehrmacht eingezogen wurde, zerlegte er seine Räder in Einzelteile und versteckte sie im elterlichen Haus. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg im Mai 1945 galt seine Hauptsorge den Rädern, die die Russischen Soldaten aber liegen gelassen hatten.
Im Jahr 1946 fand wieder das Rennen „Rund um Berlin“ statt – allerdings nur für Berufsradfahrer. Paul Dinter erwarb daraufhin eine Lizenz, konnte am Rennen teilnehmen und wurde Zehnter. Drei Jahre war er Profi, dann ließ er sich reamateurisieren, denn Profisportler durften in der DDR nicht mehr starten.

Paul Dinter rechts im Bild, Quelle: Familienarchiv
Paul Dinter rechts im Bild, Quelle: Familienarchiv

Gute Platzierungen bei etlichen Rennen und zwei Etappensiege bei der „DDR-Rundfahrt“ empfahlen ihn für die Auswahlmannschaft zur Friedensfahrt Prag-Warschau.
Sein letztes Rennen fuhr Paul Dinter 1956. Beim Rennen „Rund um Königs Wusterhausen“ siegte er. Beim Training hatte er sich allerdings eine schwere Grippe eingefangen, die er fast die gesamt Saison auskurieren musste. Nach seiner Genesung hing er das Rennrad an den Nagel, war aber weiterhin in der Nachwuchsbetreuung aktiv.

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