Berlin Steglitz

St. Johannes Evangelist - Berlin Steglitz

Das ursprüngliche Gotteshaus von St. Johannes Evangelist wurde von Diözesanbaurat Carl Kühn gestaltet.

Gesamtansicht der Johannesfigur vor der Restaurierung; Foto: Pfarrarchiv St. Johannes Evangelist

Die Gemeinde konnte Ende der zwanziger Jahre ein Restaurant erwerben, dessen Tanzsaal anschließend zur Kirche umgebaut wurde. Josef Dorls fertigte nicht nur den Namenspatron für die neue Kirche, sondern wahrscheinlich auch die Kreuzwegstationen.

"In der Woche vor Pfingsten konnte die vom Bildhauer Dorls hergestellte Johannesfigur aus Kunststein eingeweiht und am Giebelfeld des Glockenturms angebracht werden." [1]

Bei der Johannesfigur handelt es sich um eine stehende Halbfigur, die in lange Gewänder gehüllt ist und mit nackten Füßen auf einer Plinthe steht. Sie hält in der rechten Hand eine Schreibfeder, in der linken Hand eine geöffnete, herabfallende Schreibrolle. Johannes blickt visionär in die Ferne. Auf der Plinthe steht in Großbuchstaben: „ST. JOH. EV“. Das verwendete Material, rotbrennender Schamotteton, ist vergleichbar mit dem der Hl. Elisabethfigur in Königs Wusterhausen.[2]

Das Kirchengebäude wurde 1943 jedoch komplett zerstört, so dass bis auf eine Kreuzwegstation alle anderen verloren gingen. Auch die Figur des Johannes wurde beschädigt. Die heutige Kirche wurde auf den Grundmauern des zerstörten Gotteshauses im Jahr 1950 errichtet. Die Figur des Johannes ist momentan an der Wand zur Sakristei angebracht.

Im Jahr 2007 ließ die Gemeinde sowohl die Johannesfigur als auch die einzig erhaltene Kreuzwegstation restaurieren. Der bekannte Potsdamer Bildhauer und Restaurator Rudolf Böhm fertigte dazu einen umfangreichen Restaurationsbericht an.

Die von Dorls hergestellte Figur ist etwa 1,50 m hoch, 40 cm breit und nahezu ebenso tief. Der Restaurator stellt fest: „die durch den Krieg verursachten Brüche im Knöchelbereich der Figur waren mit Gips geklebt, mit rostendem Eisen armiert und von hinten mit Gips über zwei Kammern vergossen. Die Fassung ist als eine Nachkriegsfassung anzusehen (nach den Schäden des Bombenkrieges war die Oberfläche so unansehnlich, dass die Figur eine Latexfassung im Eisenoxid-Rotton bekam.“ [3]

Auch die Witterung hatte mittlerweile ihre Spuren hinterlassen. Auf der Figur zeigten sich Algen und Flechten. Restaurator Böhm erkennt unter anderem in der Verarbeitung nicht geeigneter Materialien bei einer früheren Restauration die Ursachen für den fortschreitenden Verfall der Figur. Es drohten sogar Teile der Figur auszubrechen.

Der Zustand der Skulptur wurde zunächst fotografisch dokumentiert. Nach der Demontage wurde die Figur in die Werkstatt verbracht und dort aufwendig restauriert. Um die Figur nach Wiedermontage statisch besser sichern zu können, wurde ein neuer Konsolenstein aus Sandstein gefertigt, der dem Vorkriegsaussehen weitgehend entspricht. Der neue Konsolenstein, unter der Plinthe montiert, betont die Figur an der Fassade.[4]

Vor der Zerstörung der Kirche 1943 schmückte das Innere ein Kreuzweg aus rotbrennendem Schamotteton. Von diesem Kreuzweg ist einzig die Station XI „Jesus wird an das Kreuz geschlagen“ erhalten.

Auch diese Kreuzwegstation wurde 2007 in der Werkstatt Böhm restauriert. Böhm datiert den Kreuzweg auf die Zeit des Kirchenbaus, einen Künstler gibt er jedoch nicht an. Vermutlich handelt es sich jedoch um Josef Dorls.

Die erhaltene Station XI ist 38 cm hoch, etwa 25 cm breit und 15 cm tief. Das Relief zeigt Jesus, wie er an das Kreuz geschlagen wird. Die rechte Hand ist noch mit einem Strick an den Querbalken des Kreuzes gebunden während die andere Hand und beide Füße schon angenagelt sind. Links von Christus steht eine hammerhaltende Figur, rechts von ihm kauert eine Person, die seine Füße hält. [5] Nach dem Wiederaufbau der Kirche hing die Tafel über der Sakristei, hier unter ständigem Einfluss der Witterung.

Nach Kriegsende hatte man die Relieftafel nur notdürftig repariert. Fehlstellen wurden damals nicht ergänzt. Das hatte zur Folge, dass es zu weiteren Ausbrüchen kam. Korrodierende Halterungen hielten die Tafel nur noch unzulänglich.

Im Zuge der Restauration entfernte man alle rostenden Metallteile, schloss die Risse und ergänzte die Ausbrüche. Eingeklebte Glasfaserdübel sorgen für eine sichere und dauerhafte Befestigung an der Sakristeiwand.[6]

 

 

 

 

 

 

 


[1] Kirchenchronik St. Johannes Evangelist 1932- Information aus einer Mail von Mitglied KV vom 5.Februar 2018; bei wikipedia findet sich der Hinweis, dass die Statue 1929 geschaffen wurde, auch der Restaurierungsbericht nennt dieses Datum
[2] Restaurierungsbericht Johannesfigur, Potsdam,2007; Bericht als Kopie beim Verfasser
[3] Ebd.
[4] Restaurierungsbericht Johannesfigur, Potsdam, 2007; Bericht als Kopie beim Verfasser
[5] Restaurierungsbericht Kreuzwegtafel, Potsdam, 2007, Bericht als Kopie beim Verfasser
[6] Restaurierungsbericht Kreuzwegtafel, Potsdam, 2007, Bericht als Kopie beim Verfasser

 

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