Das Bild der Hl. Elisabeth

Das Bild der Heiligen Elisabeth von Thüringen

Elisabeth von Thüringen von Mathäus Schiestl, Gebetsbildchen, Quelle Archiv St.Elisabeth
Elisabeth von Thüringen von Mathäus Schiestl, Künstlerpostkarte im Besitz des Autors

Während der weihnachtlichen Festzeit hängt das Bild der Heiligen Elisabeth von Thüringen nicht an seinem gewohnten Platz, sondern im hinteren Teil der Kirche. Am Ort des ehemaligen Beichtstuhles kann man das Gemälde aus nächster Nähe betrachten. Als Interessierter an der Geschichte unserer Kirche wollte ich schon immer gern wissen, woher dieses Bild stammt bzw. welcher Künstler es geschaffen hat.

Um es vorweg zu nehmen, es ist kein Original. Rechts unten, relativ schwer zu erkennen, findet sich der Hinweis auf ein Duplikat. Paula Cudell hat das Bild nach dem Original von M. Schiestl kopiert.

Paula Cudell

Paula Cudell wurde am 10. Juli 1877 in Aachen geboren und am 25. Juli in der St. Adalbertkirche in Aachen getauft. Sie war das dritte von acht Kindern. Ihre Eltern waren der Ingenieur und Bauunternehmer Iwan Cudell und seine Frau Elisabeth Schmitz. Paula Cudell war Schülerin des bekannten Malers Peter Bücken. Sie verdiente ihr Geld später als Mal- und Zeichenlehrerin an der Mädchenmittelschule in Aachen. Auch als Kunstmalerin trat sie weiter in Erscheinung. In der ständigen Ausstellung des Suermondtmuseums in Aachen stellte sie neben anderen Künstlern mehrere Bilder aus.  Im Inventarverzeichnis der Kirche konnte ich den Hinweis finden, dass das Bild am 11.Juli 1932, also noch vor dem Bau der Kirche, angeschafft wurde. Das Verzeichnis nennt als Wert für das Bild 500 RM - hier findet sich auch der Hinweis, dass Frl. Gudell das Bild der Gemeinde geschenkt hat. Warum Paula Cudell der Gemeinde das Bild schenkte und ob bzw. in welcher Beziehung sie zur Gemeinde stand, konnte ich bisher nicht klären.

Die Künstlerin starb nach kurzer schwerer Krankheit am 24. Januar 1934 in Aachen. Paula Cudell war nicht verheiratet.

Matthäus Schiestl

Und wer war dieser M. Schiestl? Auch hier konnte ich nach einiger Recherche Licht ins Dunkel bringen. Das M steht für „Matthäus der Jüngere“. Matthäus Schiestl entstammte einer österreichischen Künstlerfamilie. Er wurde 1869 in einem Salzburger Vorort geboren, kam mit der Familie aber bald darauf nach Würzburg. Auch seine zwei Brüder waren künstlerisch schaffend tätig. Nach der Schulzeit ging er beim Vater in die Lehre. Der Vater, eine angesehene Persönlichkeit im Ort, hatte eine Schnitzwerkstatt, in der die Werke und Reliefs auch bemalt und vergoldet wurden. In der Freizeit malte und zeichnete Matthäus bei jeder Gelegenheit in der Umgebung seines Elternhauses.
Ab 1894 besuchte er die Münchner Akademie der bildenden Künste und entwickelte während dieser Zeit seinen eigenen Malstil. Zahlreiche Werke, oft natur- und volksnah oder auch religiös geprägt, entstanden in München und der näheren Umgebung. Im Jahr 1912 wurde er zum Professor ernannt. Schiestl schuf während seiner Schöpfertätigkeit zahlreiche Gemälde und einige bedeutende Altarbilder. Er starb 1935 in München.

Das Gemälde der „Heiligen Elisabeth von Thüringen“ entstand vor 1915 und wurde oft für Gebetsbildchen oder Heiligenpostkarten verwendet. Das oben stehende Bild ist einer Künstlerpostkarte, die sich im Besitz des Verfassers befindet, entnommen.

Das Originalbild malte Schiestl für den Elisabethaltar der Kirche St. Elisabeth in Bonn. Die Kosten für das Altarbild betrugen damals 2000 Mark. Der Elisabethaltar wurde im Jahr 1915 vollendet. Das Bild ist auch heute noch dort zu sehen.


Elisabethbild in der Kirche in Königs Wusterhausen [bearbeitet] Quelle: Pfarrarchiv

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