Kalter Krieg und Sozialismus

Die Zeit nach dem II. Weltkrieg bis zur Wende 1989

In den Nachkriegsjahren arrangierte man sich mit der neuen Zeit, dem neuen System und versuchte in allen Lebenslagen das Beste daraus zu machen. Mit dem Kriegsende war aber auch ein Wandel in der Gemeinde zu spüren. Die Gemeindemitglieder hatten in erster Linie um ihr Auskommen zu kämpfen; die Gemeinschaft war nicht mehr so eng. Viele Vertriebene und Aussiedler siedelten sich im Ort an, Einheimische zogen dafür in andere Gegenden. Auch die weiten Entfernungen innerhalb der Gemeinde machten dem Pfarrer zu schaffen. Sie waren ohne Auto kaum zu bewältigen und das war nach wie vor konfisziert. Erst 1948 konnte ein Motorrad angeschafft werden.

Kirche um 1980, historische Postkarte im Besitz des Verfassers

Ein wichtiges Ereignis ging in der Nachkriegszeit fast unter. Kardinal Conrad von Preysing ernannte die Kuratie St. Elisabeth in Königs Wusterhausen zur selbständigen Gemeinde. Ein lang gehegter Wunsch ging endlich in Erfüllung.

Gegen Ende des Jahres bahnte sich eine wichtige Neuanschaffung für die Gemeinde an. In der Kapelle des Blindenheimes in Königs Wusterhausen wurde die Orgel abgebaut. Diese wollte man erwerben, nur fehlten die Zinnpfeifen. Eine erste Sammlung erbrachte aber bereits fast 1.000 Mark.
Am Kirchweihfest 1949 wurde die mittlerweile komplett sanierte Orgel dann geweiht. Insgesamt betrugen die Kosten für die Anschaffung und Reparatur der Orgel knapp 18.000 Mark.

Der aufkommende Kalte Krieg war in Ansätzen auch in der Gemeinde zu spüren. Nachdem der langjährige Kaplan Ohland 1952 versetzt wurde, sollte Neupriester Hauptmann aus Buxtehude bei Hamburg sein Nachfolger werden. Ohne Zuzugsgenehmigung durfte er seinen Dienst eigentlich nicht antreten, tat es aber dennoch. Zu Pfingsten fasste die Regierung der DDR den Beschluss, dass sich kein Westberliner oder Westdeutscher im Land mehr aufhalten durfte. Der Kaplan musste Königs Wusterhausen wieder verlassen. Erst auf Vermittlung traf die Zuzugsgenehmigung ein, Kaplan Hauptmann durfte zurückkommen.

Der noch heute benutzte Taufbrunnen wurde von der Gemeinde 1952 angeschafft.

1953 kam es zu weiteren baulichen Maßnahmen am Pfarrhaus. Die ehemalige Kapellentür, die nicht mehr benötigt wurde, mauerte man zu und ersetzte sie durch ein weiteres Fenster zur Straßenfront.

Aufgestocktes Nebengebäude, Foto: Norbert Seyer

Kurze Zeit später wurden die Gebäude auf dem Hof umgebaut und aufgestockt. Die Einfahrt und ein Teil des Hofes erhielten eine Pflasterung mit Naturstein. Leider hatte man sich bei den Kostenvoranschlägen gründlich vertan. Unvorhergesehene, aber dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen, trieben die Kosten von anfänglich 4.000 Mark auf am Ende mehr als das Dreifache.

Das Verhältnis zwischen Kirche und sozialistischer Regierung wurde mit den Jahren zunehmend schlechter. Allgemeine Feiern wurden ab 1955 polizeilich verboten und bedurften erst einer staatlichen Genehmigung. Von da ab lud der Pfarrer zu persönlichen Tanzvergnügen im abgedunkelten Saal, denn persönliche Einladungen waren noch erlaubt. Dieses Verbot von öffentlichen Veranstaltungen wurde bis in die achtziger Jahre aufrechterhalten. Auch mit dem Religionsunterricht in den Schulen war es bald ganz vorbei. Hier wollte man von religiöser Erziehung und christlichen Werten nichts mehr wissen. In der Zeesener Schule wurde der katholische Unterricht verboten, nachdem die Schüler trotz Untersagung den Gottesdienst an „Maria unbefleckte Empfängnis“ besucht hatten.
Immer wieder wies Pfarrer Kletschke in der Chronik darauf hin, dass es mit fortschreitendem Sozialismusaufbau mit dem religiösen Leben in Königs Wusterhausen bergab ginge.

Viele alteingesessene und kirchentreue Familien wanderten in Richtung Westdeutschland ab. Neuzugezogene Familien konnten nicht mehr flächendeckend erfasst werden. Die Menschen lebten für sich und ihre Arbeit. Jeder versuchte zurecht zu kommen. Gleichgültigkeit machte sich breit. Neu war auch, dass auch viele katholische Jugendliche zur Jugendweihe gingen und sich nicht mehr kirchlich trauen ließen. Auch das aufkommende Medium Fernsehen sah der Pfarrer als einen der Gründe für das schwindende Interesse an der religiösen Gemeinschaft. Mit dem Mauerbau im August 1961 wurde zwar die Abwanderung eingedämmt, das Misstrauen verstärkte sich aber noch mehr.

Im Jahr 1960 wurde das Pfarrhausdach von der Firma Zeidler umgedeckt, um Schadstellen auszubessern. Die Kirche wurde von der Firma Hännicke für 2.243 Mark das erste Mal seit 1937 richtig renoviert. Gleichzeitig entschloss man sich zur Errichtung eines Nebenaltars an der Stelle, an der heute der neue Beichtstuhl zu finden ist.

Altarraum nach 1975 mit den Figuren von Hertelt, Quelle: Pfarrarchiv St. Elisabeth

In den sechziger Jahren wurden drei Holzfiguren aus der Werkstatt des Holzschnitzers Hertelt in Cottbus angeschafft. Die Figuren des gekreuzigten Jesus, der Gottesmutter Maria und des Guten Hirten zieren bis heute den Altarraum und die Kirche.

Anfang 1970 kam es zum Generationswechsel unter den Geistlichen. Pfarrer Kletschke trat seinen wohlverdienten Ruhestand an und machte den Weg für Pfarrer Müller frei. Pfarrer Johannes Müller wird der Pfarrer mit den meisten Dienstjahren in Königs Wusterhausen werden.

Der neue Pfarrer machte sich alsbald an umfangreiche Bauarbeiten in Pfarrhaus und Kirche. Im Pfarrhaus wurden sämtliche elektrische Leitungen saniert. Es wurde eine neue Wohnung im Obergeschoss geschaffen und das Büro ins Untergeschoss verlegt. Der Saal wurde geteilt und das Pfarrhaus erhielt einen, heute aber wieder zurückgebauten, Sanitärtrakt. Am Dachstuhl der Kirche und des Hauses wurden wichtige Holzschutzmaßnahmen durchgeführt. Wurmbefall und der Zahn der Zeit hatten dem Gebälk stark zugesetzt. Die Zaunanlage am Pfarrgrundstück erneuerte die Gemeinde, obwohl sich die Materialbeschaffung als äußerst schwierig darstellte. Klinker waren in dieser Zeit rar und Bückware.

In die Zeit des Neubeginns mit Pfarrer Müller fiel auch die allgemeine Umgestaltung der Gotteshäuser nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In der Kirche ersetzte man den Hochaltar aus Travertin durch einen einfachen Altartisch nach den Entwürfen des Pfarrers. Die Steinplatten mussten mit einfachsten Methoden mühsam verladen und zum Zuschneiden gebracht werden.

Hochaltar vor dem Umbau, Quelle: Kirchenarchiv St. Elisabeth

In die Ostwand der Kirche wurde ein großes Fenster gebrochen, um mehr Licht in den Altarraum zu bringen und zusätzlichen Platz für einen Schornstein zu schaffen. Alle alten Fenster im Kirchenschiff ersezte die Gemeinde durch neue, hellere Fenster. Die Kirche erhielt eine modernere Bestuhlung und einen neuen Farbanstrich. Dabei wurden die farbigen Engelreliefs in der Orgelempore braun übermalt.
Der Baukörper der Kirche wurde auch verändert. Das ursprünglich zweigeteilte Dach deckte man zu einer Fläche um. Dazu war es notwendig, die Seitenschiffe aufzumauern, was bei genauer Betrachtung auch heute noch festzustellen ist.

Das religiöse Leben hatte sich in den siebziger Jahren wieder erholt. Die Gemeinde hatte einen treuen Stamm aus Gläubigen, auf den der Pfarrer jederzeit zurückgreifen konnte.
Seit 1978 ist die Gemeinde ohne Kaplan.

Kirche 2017, Foto: Norbert Seyer

Im Jahr 1985 wurde die Kirche erneut in ihrem Äußeren verändert. Die maroden Dachsteine der Kirchentürme und des Zwischendachs wurden heruntergenommen und durch Blechplatten ersetzt. Dieses Dach erhielt den Anstrich einer grünen Kupferpatina.
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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