Arbeiten in Berlin und Brandenburg

Religiöse Arbeiten in Berlin und Brandenburg

Zahlreiche Kirchen in Berlin oder im Berliner Umland hat Josef Dorls mitgestaltet.[1] Die von ihm gefertigten Holzfiguren konnte er in seinem Atelier herstellen. Für die Arbeiten aus Keramik oder Terrakotta bedurfte es jedoch eines Partners, der die gestalteten Werke brannte. Einige Hinweise deuteten darauf hin, dass Dorls diese Arbeiten in Velten brennen ließ.[2]

Diese Annahme konnte bestätigt werden. Eine Anfrage beim Ofen- und Keramikmuseum in Velten konnte klären, dass Dorls wie zahlreiche Berliner Künstler neben ihm, das Wissen und Können der Veltener Spezialisten nutzte, um seine Arbeiten aus Ton oder Keramik zu vollenden.

Velten war über Jahrzehnte ein Schwerpunkt für die Herstellung von Ofenkacheln für das schnell wachsende und aufstrebende Berlin der wilhelminischen Zeit. Besonders reine und reichhaltige Tonvorkommen begünstigten den Standort im Norden der Reichshauptstadt.

„Als die Blütezeit der Kachelfertigung in den Ofenfabriken in Velten vorüber war, öffneten die Fabriken in den 20er Jahren ihre Werkstätten und Brennkammern für die Keramikkünstler aus Berlin und Brandenburg, die zur Herstellung ihrer Gefäß- und Zierkeramiken keine eigene Werkstatt besaßen. Namhafte Künstler, die in den Ofenfabriken arbeiteten, waren z.B. Richard Kuöhl, Wilhelm Ernst Schade, Berthold Müller, Rudolf Lohlein, Hedwig Koch-Becker, Günther Stüdemann und auch Josef Dorls. Beispiele für Ofenfabriken in Velten, in denen die Künstler ihre Arbeiten brennen ließen, waren die Ofenfabrik Richard Blumenfeld AG, die Ofenfabrik Carl Krause, die Keramische Werkstätte und Kachelofenfabrik Dr. Kurt Randhahn & C. GmbH Velten und die Ofenfabrik Karl Sensse. Die größte Ofenfabrik war die Blumenfeld AG, die auch besonders häufig mit künstlerischen Keramikarbeiten verbunden wird. Es gab auch Ofenfabriken die später zu Keramikwerkstätten umfunktionierten oder diese in die Kachelofenproduktion integrierten. Ein Beispiel ist die 1873 gegründete Ofenfabrik in der Wilhelmstraße 29, die von 1900 bis 1919 von C. & E. Carstens übernommen und ab 1919 stellgelegt wurde. Ab 1927 richtete der Künstler Rudolf Lohlein hier eine kunstkeramische Werkstatt ein, die später „Rula – Werkstätte für Kunstkeramik R. Lohlein“ genannt wurde. Da Josef Dorls mit Rudolf Lohlein zusammenarbeitete, liegt es nahe, dass er in der „Rula – Werkstätte für Kunstkeramik R. Lohlein“ arbeitete und brannte.“ [3]

Hinweise auf Josef Dorls finden sich im Museum in Form von drei Objekten des Bestandes.

Dabei geht es zweimal um dieselbe Form einer Madonna von ca. 1930 und einmal um das gleiche Motiv, nur etwas kleiner, auch von 1930.[4] Es handelt sich bei der Madonna um das verkleinerte Modell für die katholische Kirche Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Ton-Material ist rotbrauner Scherben, die Glasur ist jeweils unterschiedlich. Eine Figur ist hellblau und rötlich, die andere grün glasiert und die Kleinere besitzt eine Fayenceglasur. Die Maße der beiden größeren Figuren sind 43,8 x 10,5 cm und die der Kleineren 26,5 x 7,5 cm. Als Herstellungsort wird die „Rula – Werkstätte für Kunstkeramik R. Lohlein“ angegeben.“ [5] In einem Ausstellungskatalog, herausgegeben vom Deutschen Historischen Museum finden sich ebenfalls Hinweise zur Arbeit von Dorls in Velten.[6]

 


[1] Nachweislich fertigte Dorls für 14 bis 15 Kirchen in Berlin bzw. im Berliner Umland Arbeiten an. Dazu kommen weitere Arbeiten mit religiösem Bezug, die sich jedoch keiner Kirche direkt zuordnen lassen. Es ist sicher wahrscheinlich, dass es aber noch mehr waren.

[2] Dorls erwähnt in einem Brief vom 12.Juli 1941 an St. Elisabeth Königs Wusterhausen eine Tonfabrik in Velten, mit der er zusammenarbeitet und von dort die Zusage erhalten habe, dass eine Figur gebrannt werden kann.

[3] Email vom Ofen- und Keramikmuseum Velten vom 12.Januar 2018

[4] Eine Figur dieser Art befindet sich auch noch heute im Familienbesitz. Es scheint sich hier also um eine Art „Massenware“ zu handeln

[5] Email vom Ofen- und Keramikmuseum Velten vom 12.Januar 2018

[6] Vgl. Märkische Ton-Kunst, Berlin und Brandenburg Keramik der 20er und 30er Jahre, Deutsches Historisches Museum 1992, Seite 147 (Abb. einer Madonna) und Seite 196

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