Familienlinie Diekmann aus Ostpreußen

Familienlinie Diekmann

Eine meiner mütterlichen Ahnenlinien lässt sich bis in das ferne Ostpreußen zurückverfolgen – die Linie Diekmann.

Im Laufe meiner Recherchen fanden sich zahlreiche Schreibweisen des Familiennamens. Nachgewiesen sind z.B. Dykmann, Diekmann, Dyckmann, Dickmann oder auch Dieckmann. Meine UrUrgroßmutter schrieb sich hauptsächlich Diekmann. Die Familie war evangelisch.

Den Ursprung hat die Familie nach bisherigem Kenntnisstand im ostpreußischen Dorf Septinlöpen. Das kleine Bauerndorf hatte im Jahr 1785 vierzehn Feuerstellen und war direkt dem König unterstellt. Etwa dreißig Jahre später, im Jahr 1818, war das Dorf nur wenig gewachsen. Es zählte nun siebzehn Feuerstellen, in denen 81 Menschen lebten, darunter unsere Vorfahren. Septinlöpen hatte keine eigene Kirche. Die Einwohner gingen zum Gottesdienst und für die Amtshandlungen ins benachbarte Kussen.

Septinlöpen wurde 1928 in Siebenlinden umbenannt. Nach dem Ende des II. Weltkrieges fielen die Dörfer in diesem Gebiet an die Sowjetunion und wurden dem Oblast Kaliningrad (ehemals Königsberg) zugeordnet. Im Jahr 1950 hieß der Ort Petrowskoje. Heute existiert das Dorf nicht mehr.

Adam Diekmann – Stammvater der Familie

Evangelische Kirche Kussen; Quelle wikipedia

Adam Diekmann ist nach heutigem Forschungsstand der Stammvater unserer Familie. Adam wurde vor 1770 geboren. Eine Geburt ließ sich zwischen 1750 und 1771 nicht in Septinlöpen nachweisen, gleichwohl der Name Diekmann in dieser Zeit dort schon vorkommt. Für die Jahre vor 1750 existieren keine Kirchenbücher von Kussen mehr, so dass eine Geburt vor 1750 auch denkbar erscheint.

Adam Dieckmann war mit einer Anna Louise unbekannten Nachnamens verheiratet. Die Hochzeit fand vermutlich vor 1784 statt. Ein Nachweis dafür kann nicht erbracht werden, da Traubücher für diese Zeit nicht existieren.

Dem Ehepaar können bisher vier Kinder zugeordnet werden.

Am 14. März 1784 kam in Septinlöpen An(na) Louisa zur Welt. Einen Tag später wurde das Mädchen getauft. Adam jr. wurde am 2. Oktober 1788 geboren. Er war mit Anna Maria Wenig verheiratet. Die Eheleute bekamen zwischen 1812 und 1832 sieben Kinder.

Ein weiteres Mädchen erblickte am 11. Dezember 1791 in Septinlöpen das Licht der Welt. Am 12. Dezember wurde das Kind auf die Namen Anna Maria getauft. Sie ehelichte am 30. Juni 1812 in Kussen Christian Hochmann. Johann, unser direkter Vorfahre, wurde 1794 geboren.

Vom Ort Kussen existieren hauptsächlich nur noch Taufregister. Geschlossene Ehen oder Sterbefälle lassen sich demzufolge für die vorgenannten Personen nur eingeschränkt nachweisen.

Wann unsere Stammeltern verstarben, ist deswegen unklar.

 Johann Diekmann

Johann Diekmann kam als bisher jüngstes bekanntes Kind seiner Eltern am 14. November 1794 in Septinlöpen zur Welt. Einen Tag später wurde der Junge in Kussen getauft.

Johann verheiratete sich vermutlich vor 1828 mit Henriette Becker, zu der es bisher keine genealogisch gesicherten Daten gibt. In den Registern wird Johann Diekmann öfter als „Eigenthümer“ bezeichnet, was auf ein kleines Häuschen, vermutlich mit etwas Landbesitz, hindeuten könnte.

Carl, der unsere Linie später fortsetzt, wurde 1828 geboren. Sein Bruder Johann kam am 25. Juni 1831 zur Welt und wurde einen Tag später getauft. Zwei Jahre später, am 21. November 1833, erblickte sein Bruder Ernst das Licht der Welt. Auch er wurde am Folgetag getauft. Den Eheleuten Diekmann wurde am 11. Mai 1836 eine Tochter geboren, die am darauffolgenden Tag auf den Namen Wilhelmine getauft wurde.

Eintrag zur mutmaßlich 2. Ehe des Johann Diekmann im KB Kussen

Vermutlich starb Henriette Becker irgendwann in der Folgezeit. Für den 1. Dezember 1843 ist in den Kirchenbüchern die Trauung eines verwitweten Johann Diekmann, der vom Alter zu unserem Vorfahren passen könnte, verzeichnet. Ich gehe davon aus, dass es sich bei dem Bräutigam um unseren Vorfahren handelt. In dieser Ehe wurde am 31. Mai 1844 noch ein Sohn geboren, der am 1. Juni auf den Namen Christian getauft wurde.

Wann genau Johann Diekmann verstarb, ist nicht bekannt. Bei der Trauung seines Sohnes im Jahr 1858 gibt es keinen Vermerk zu ihm mehr, was auf einen Tod vor 1858 hindeuten könnte.

Carl Diekmann – Ackerwirt und Müller

Carl Diekmann kam am 6. Dezember 1828 als erstes Kind seiner Eltern in Septinlöpen zur Welt. Einen Tag später wurde das Kind in Kussen getauft.

Carl Diekmann wurde Ackerwirt und Müller in Petereitschen. Das kleine Dorf gehörte zum Kreis Pillkallen (Schlossberg) und wurde 1938 in Petershausen/Ostpreußen umbenannt. Zur Zeit unserer Vorfahren lebten dort etwa 130 Einwohner. Nach dem II. Weltkrieg fiel das Dorf an die Sowjetunion. Es existiert heute nicht mehr. Kirchenbücher für die betreffenden Jahrgänge, existieren nicht mehr. Die genealogischen Informationen zu dieser Zeit stammen aus Dokumenten, die in den 1930er Jahren angefertigt wurden.

Trauschein Diekmann-Lange; Familienarchiv

Am 29. Januar 1858 heiratete der Müller Carl Diekmann die aus Da(r)gutschen stammende Catharina Lange. Catharina kam dort am 9. Oktober 1839 als Tochter von Gottlieb Lange und Maria Weier zur Welt. Dagutschen gehörte zum Kreis Pillkallen und fiel nach 1945 an die Sowjetunion. Das Dorf ist heute verlassen.

Auf Grund der fehlenden Kirchenbücher lassen sich dem Müllerehepaar außer meiner Ururgroßmutter bisher keine weiteren Kinder sicher zuordnen. Im Jahr 1872 wird Karl Diekmann als Müllergeselle zu Tullen bezeichnet.

Karl Diekmann starb am 17. April 1893, im Alter von 64 Jahren, in Groß Rudszen in Ostpreußen. Seine Witwe Katharina, geborene Lange, verstarb am 14. Juni 1923 im ostpreußischen Bilden. Auf dem Todesschein wird sie als Altsitzerin bezeichnet. Das deutet darauf hin, dass sie wahrscheinlich bei einem ihrer bisher unbekannten Kinder auf dem sogenannten Altenteil wohnte.

Marie Johanna Diekmann – Schneiderin in Berlin

Marie Johanna Diekmann wurde als bisher einziges bekanntes Kind ihrer Eltern am 21. April 1872 im ostpreußischen (Groß) Tullen geboren. Drei Tage später wurde sie in Pillkallen (Schlossberg) getauft. Der Vater wird im Kirchenbuch als Müllergeselle bezeichnet. Geschwister der Marie Johanna sind durchaus wahrscheinlich.

Marie Johanna und ihr Ehemann Paul, 1933; Familienarchiv

Groß Tullen liegt nur wenige Kilometer von Septinlöpen entfernt, gehört kirchlich jedoch nicht zu Kussen, sondern zu Pillkallen. Im Jahr 1938 wurde der Ort in Reinkenwalde umbenannt. Nach 1945 wurde das Dorf sowjetisch und hieß Tuschino. Es wurde um 1980 aufgegeben.

Marie Johanna erlernte den Beruf der Schneiderin und zog als junges Mädchen vor 1890 nach Berlin. Sie wohnte dort zunächst in der Großen Frankfurter Straße 16, vermutlich bei einem Schneider Ludwig zur Untermiete.

Am 29. September 1890 heiratete Marie Johanna in Berlin den Tischler Paul Max Julius Mann. Der Ehemann kam am 12. Mai 1865 in Görlitz zur Welt. Im Laufe ihrer Ehe bekam Familie Mann sechs Kinder, wovon drei Kinder das Erwachsenenalter erreichten. Der weitere gemeinsame Lebensweg der Eheleute wird unter Familienlinie Mann beschrieben.

Marie Johanna starb am 8. Februar 1949 in Zernsdorf. Ihre Asche wurde auf dem Friedhof von Königs Wusterhausen beigesetzt.